• Tradition seit 1869

    Carl Destillations- & Brennereitechnik

  • Tradition seit 1869

    Carl Destillations- & Brennereitechnik

Seit 140 Jahren ist der Name CARL ...

... ein Begriff für innovative Destillationstechnik und Apparatebau. Trotz gemeinsamen Ursprungs gingen die bekannten Betriebe Christian Carl und Jacob Carl fast 100 Jahre lang getrennte Wege. Inzwischen sind beide Linien als CARL GmbH wieder vereint. Alexander und Christian Plank führen den Betrieb in der fünften Generation weiter.

Pflichtbewusst und innovativ – so könnte man die Art charakterisieren, in der die Firma von den einzelnen Familienmitgliedern 140 Jahre lang durch wirtschaftliche Veränderungen gelenkt wurde und Höhen und Tiefen durchschritten wurden. 1869 legte der Kessel- und Kupferschmied CARL in Göppingen den Grundstein für die heutige CARL GmbH. Die Produktionsstätte lag in Bahnhofsnähe; das Automobil war noch nicht erfunden und die Eisenbahn (neben Wasserwegen) bot die einzige Transportmöglichkeit. Zur Veranschaulichung: Auch die Gründung der technischen Prüforganisation TÜV – damals Dampfkesselrevisionsverein – war nur wenige Jahre zuvor erfolgt.

Von den fünf Söhnen des Firmengründers (2. Generation) absolvierte der älteste, Christian Carl, ein Studium, wonach er als Geschäftsführer der Transformatorenunion in Stuttgart blieb. Seine Brüder arbeiteten im väterlichen Betrieb in Göppingen. Als der Betrieb in Schwierigkeiten geriet, wurde auch der Älteste nach Hause zitiert. Um das Jahr 1916 herum führten unterschiedliche Auffassungen zum Bruch zwischen den Brüdern Christian und Jacob. Der ursprüngliche Firmenstandort in der Davidstraße wurde aufgelassen. Die Christian CARL Ingenieur GmbH siedelte in die Ziegelstraße, die Jacob CARL GmbH in die Ulmer Straße in Göppingen. Bis dahin stand der Bau von Koch- und Kesselanlagen im Mittelpunkt; doch wurden auch bereits die ersten Destillationsanlagen ausgeliefert.

Der Linie Christian Carl entstammt in 3. Generation Sohn Walter, der den Betrieb in den 40er bis 60er Jahren führte. Von dessen beiden Töchtern (4. Generation) konnte sich Traudel mit kaufmännischer Ausbildung für die Brennereitechnik begeistern. Die beiden Söhne Alexander und Christian (heutige und 5. Generation) aus ihrer Ehe mit Dr. med. Edgar Plank sind die jetzigen geschäftsführenden Gesellschafter der CARL GmbH. In der Jacob-Carl-Linie wurde der Betrieb in der Ulmer Straße an Tochter Hannelore, verheiratete Klein vererbt. Deren Sohn, Brauereiingenieur Gunther Klein (gleiche Generation wie Alexander und Christian Plank), war in der Geschäftsleitung tätig, verließ aber den Betrieb, bevor sich die Krise abzeichnete. Sein Schwager H. Feil leitete die Firma von 1997 bis 2002.

Parallel zur wechselvollen Betriebsführung, bei der die Firma glücklicherweise immer in den Händen der Familie blieb, erzählt die Betriebsentwicklung auch ein gutes Stück Destillationsgeschichte. Nach der Trennung setzten die Brüder Christian und Jacob ihre Schwerpunkte in verschiedenen Bereichen. Die Jacob CARL GmbH verlegte sich neben landwirtschaftlichen Verschluss-Brennereien mit der Zeit auf das Brauereiwesen und baute – von den 70ern bis in die 90er Jahre – große Sudhausanlagen. Mit standardisierten Gasthausbrauereikonzepten (Schaubrauereien, 10 bis 20 hl) gelang ab den 90er Jahren eine überaus gute Geschäftsentwicklung. In den 60er- und 70er-Jahren waren – auf der Basis des Goldenen Zeitalters des Branntweinmonopols – die landwirtschaftlichen Verschlussbrennereien von großer Bedeutung; es wurde immer wieder in neue Technologien investiert. Dies wirkte sich auch auf die Anlagenbauer aus, die es damals in großer Zahl gab. So mussten sich die Christian CARL Ingenieur GmbH und die Jacob CARL GmbH gegenüber Firmen wie Gebr. Becker und Große-Lohmann, Beckum, Gebr. Herrmann, Köln, Georg Westphal Ing. KG, Offenbach/Main, Linke & Henze, Regensburg und noch vielen anderen behaupten.

Das Hoch für Groß-Brennereien hielt bis 1976 an, dann wurde aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes die Einfuhr von billigem Alkohol aus dem Ausland erlaubt. Aufträge für die Apparatebauer fielen weg und so kam es, dass die meisten dieser renommierten Firmen heute nicht mehr bestehen. Bei Christian CARL stand die Destillationstechnik im Vordergrund. Während in der dritten Generation bei Walter Carl Brennanlagen in Baden-Württemberg und deutschlandweit verkauft wurden, fanden sie unter der Führung seiner Tochter Traudel Plank ab den 70er Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum Käufer. Man bedient bis heute Kunden u.a. in Österreich, der Schweiz, Norditalien und dem Elsass. Ab den 90er-Jahren wurde die deutsche Technologie auch nach Übersee (Asien, Australien, Süd- und Nordamerika) exportiert und die Kunden weltweit betreut. Die jüngste Generation, die Brüder Alexander und Christian Plank, bezieht ihren Umsatz aus einem gesunden Absatzmix von High-Tech-Anlagen in Deutschland, der EU und im internationalen Export.

Welch atemberaubende Entwicklung die CARL GmbH im Grunde genommen hat, zeigt ein Blick auf die Destillationsgeschichte: Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Verarbeitung von Obststoffen in den Abfindungsbrennereien immer beliebter wurde, waren zunächst eingemauerte, einfache Anlagen gefragt. Großanlagen für Obst- oder Getreidedestillation wurden mit ebenfalls im Haus CARL hergestellten Dampfkesseln ausgestattet. Für die Abfindungs-Brenner folgte die Anwendung von Pistoriusbecken als Verstärkungseinrichtung. Ab den 50er Jahren wurden Glockenböden eingesetzt. Die Fa. CARL war eine der Ersten, die nebenstehende Verstärker konstruierte, damals während der Ära von Karl-Heinz Bidlingmaier: Ein Langzeittechniker, ausgewiesener Fachingenieur und Zeitzeuge, der auf eine mehr als 50-jährige Betriebszugehörigkeit bei der Fa. CARL blicken kann. Bidlingmaier erzählt, dass früher mit extrem großem Kräfteeinsatz gearbeitet wurde, da nur wenige Maschinen eingesetzt werden konnten. Die Anlagen wurden mit Wärme und Schweiß in Form gebracht, so der bis heute im deutschsprachigen Raum anerkannte und kompetente Fachmann.

Zwischen 1950 und 1980 ist die Hauptentwicklungszeit in der Brennereitechnologie angesiedelt: Abfindungs- und Obst-Brennereien wurden in den Bereichen Feuerungstechnik, Design von Kochböden und Dephlegmatoren, Brennblasen mit vergrößertem Fassungsvermögen und dem Einbau von Rührwerken sowie Schaugläsern weiterentwickelt. Einem weit verbreiteten Fehlgriff, nämlich der Fertigung von Brennblasen und Kolonnen aus Edelstahl, hat CARL schon in den 70er-Jahren widerstanden, erklärt Christian Plank. Die Kunden mussten uns mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie tatsächlich eine Edelstahlausführung wollten!

In den 90er-Jahren und bis heute, dem Computerzeitalter, hielten elektronische Sensoren und Instrumente Einzug, etwa für die Überwachung von Alkohol- oder Kühlwasserkreisläufen, die Steuerung von Öl- oder Gasbrennern etc. Generell stieg der Materialaufwand und die Brennkessel wurden mit deutlich mehr Armaturen und Regeltechnik ausgestattet.

In die gleiche Ära fällt auch der Einzug der Katalysator-Technik und der perforierten Kochböden von CARL in die Brennstuben. Mit beiden Technologien lässt sich die Konzentration für Ethylcarbamat in Steinobstbränden reduzieren.

Bis zum Jahr 2004 war Traudel Plank alleinige Geschäftsführerin und -inhaberin. Sie hat eine kaufmännische Ausbildung und war gleichzeitig so technikbegeistert, dass sie von ihrem Vater mit Freude das Geschäft übernahm – zur damaligen Zeit sicher ein gewagter Schritt für eine Frau. Als gute Grundlage für die Unternehmensführung, die sie über 30 Jahre innehatte, erwies sich ihre gute Menschenkenntnis und ihr kaufmännischer Verstand, bescheinigt Sohn Alexander Plank. Mit viel Geschäftssinn war sie sozusagen Tag und Nacht im Betrieb, stets im Einsatz für die Kunden. Ihr Ehemann, Chefarzt für Unfallchirurgie, war nicht in die Geschäftsführung involviert.

Mit Opa Walter Carl waren die Geschwister schon im Kindergartenalter viel unterwegs; Kundenbesuche und die ganze Brennereibranche waren ihnen vertraut. Sowohl Alexander als auch Christian Plank studierten in München bis Ende der 90er-Jahre Ingenieurwesen und Verfahrenstechnik.
Anfang des neuen Jahrtausends schmiedete das Unternehmen Pläne für den Ausbau und Umzug. Als 2002 die Baupläne vorlagen, das Grundstück im Industriegebiet gekauft war und die Umsetzung anstand, kam die Nachricht von der Insolvenz der Jacob Carl GmbH. „Ich musste kaufen“, beschreibt Alexander Plank lapidar die moralische Verpflichtung des Familienunternehmens. Obwohl die beiden Firmen Konkurrenten waren, hat niemand Freudensprünge gemacht, als die Insolvenz verkündet wurde, erinnert sich Karl-Heinz Bidlingmaier. Assets wie die Marke, Technik und Material wurden gekauft, Mitarbeiter auf Wunsch übernommen. Es war eine anstrengende Zeit, weil die laufenden Geschäfte aufrecht erhalten werden mussten, gleichzeitig aber das, was 40 Leute bewegt hatten, aufgelöst und bestmöglich in die bestehende Firma integriert wurde, erzählt Alexander Plank